Projekt: Soziales Lernen

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Einleitung

Die Praxis zeigt, dass sich eine Klasse/Gruppe selbst, also jedem einzelnen Kind, und allen am Lernprozess beteiligten Personen Schwierigkeiten machen kann – Schwierigkeiten, die das Sozial- und Arbeitsverhalten beeinträchtigen. Dies kann das Unterrichten nicht nur erschweren, sondern sogar unmöglich machen. Der Schulerfolg der SchülerInnen sowie die Arbeitsmotivation der Lehrkräfte können unter diesen Bedingungen erheblich leiden. Daher scheint es hilfreich, schulsozialpädagogisch auf den gesamten Klassenverband einzuwirken, wenn negatives Arbeits- und Sozialverhalten und die daraus resultierenden Konsequenzen vermieden werden sollen.

Wird eine Schulklasse nicht gefördert und können sozialintegrative Werte und Normen nicht dauerhaft eingeführt und trainiert werden, dann setzt sich eine Gruppe nicht selten selbst Regeln, woraus sich häufig eine Eigendynamik entwickelt, die später nur noch schwer zu unterbrechen bzw. rückgängig zu machen, ist. Dies wird in einem erheblichen Maße das schulische Lernen und Unterrichten beeinträchtigen.

Da aber davon auszugehen ist, dass jedes Kind mit seinen Mitschülern und Lehrern zurechtkommen möchte, sollten die Kinder bei der Integration in die Klassengemeinschaft, bei dem Wunsch nach Bedürfnisbefriedigung und Harmonie sowie beim Lösen und Vermeiden von Konflikten unterstützt werden.

Schulsozialarbeit schafft im Unterricht Möglichkeiten,

  • übereinander zu lernen: sich kennen zu lernen, um die Angst voreinander zu verlieren und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen
  • voneinander zu lernen: eigene Fähigkeiten kennen zu lernen und Fähigkeiten
  • miteinander zu lernen: Teamarbeit auf der Grundlage demokratischer Prinzipien zu praktizieren.


Im Vordergrund eines entsprechend initiierten gruppendynamischen Prozesses stehen die Förderung der sozialen Kompetenz und die Entwicklung der Gruppe selbst, um Akzeptanz, Partizipation, Kommunikations-, Konflikt- und, Entscheidungsfähigkeit, Verantwortung für sich selbst und die anderen sowie eine erfolgreiche Rollenausgestaltung aller Gruppenmitglieder und gelebte Solidarität in der Gruppe zu erreichen.

Der/die Schulsozialpädagoge/Schulsozialpädagogin arbeitet als externe Kraft mit der Klasse und der Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer zusammen. Die Klassenlehrerin/der Klassenlehrer soll an allen Übungen teilnehmen, denn sie/er bleibt der Hauptansprechpartner der SchülerInnen.

Grundidee des Trainings

Vielen Schülerinnen/Schülern fehlt Kontinuität in Beziehungen, Orientierung in der Lebensbewältigung, Handlungsspielräume und Handlungsmöglichkeiten, emotionale Wärme und Selbstvertrauen in die eigene Person. Die daraus resultierende Angst und Unsicherheit wird häufig mit völlig überzogenem Verhalten überspielt. Sie sind nicht von ihren Fähigkeiten überzeugt und bedenken ihre Handlungen nicht. Sie agieren unsicher und wissen nicht, wie sie ihre Ziele umsetzen können. Häufig fehlen ihnen alternative Handlungsstrategien und Motivation ihr Verhalten zu verändern oder zu reflektieren.

Daher ist es wichtig die Soziale Kompetenz und die Kreativität so früh wie möglich, im Hinblick auf eine erfolgreiche Lebensbewältigung, zu fördern.

Das Training zur Förderung der Sozialen Kompetenz beginnt mit dem Übergang der Schülerinnen/Schüler von der Grundschule zur weiterführenden Schule. Dieses Training wird in Jahrgangsstufe 6 erweitert und wiederholt. In den Jahrgangsstufen 7 bis 10 findet dieses Training themenbezogen und bedarfsorientiert statt.

Es bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit Sozialverhalten im geschützten Rahmen (innerhalb) der Klasse auszuprobieren um es später im Alltag umzusetzen. Sie erhalten in diesen Settings die notwendige Sicherheit die sozialen Kompetenzen zu erwerben und erfahren emotionale Geborgenheit.

Dabei ist es von großem Vorteil, dass Klassenlehrerin/Klassenlehrer, Schulsozialpädagoge und Schülerinnen/Schüler über vier Jahre einen gemeinsamen Prozess durchlaufen.

Unter sozial kompetenten Verhalten ist zu verstehen:

  • Die Jugendlichen sind in der Lage, für sich selbst zu entscheiden. Sie ordnen sich nicht unreflektiert unter, sondern können ihr Verhalten rational und emotional begründen.
  • Sie haben die Fähigkeit entwickelt, selbstbewusst zu handeln.
  • Sie können das eigene Verhalten beobachten und selbstkritisch hinterfragen.
  • Sie kennen ihre Interessen und Ansprüche und sind in der Lage, diese zu überprüfen.
  • Sie respektieren die Wünsche und Interessen anderer und beziehen sie in ihr eigenes Handeln mit ein.
  • Sie wissen, was ihnen Angst macht, und können entsprechende Situationen erkennen und benennen.
  • Unangenehme Gefühle, die sie blockieren, nehmen sie wahr und können sie schließlich abbauen. Sie akzeptieren ihre Enttäuschung und ihre Wut, aber können sie in problemlösendes, konstruktives Verhalten umsetzen.
  • Sie können anderen zuhören und eigene Bedenken und Vorstellungen so formulieren, dass andere sich mit ihnen auseinander setzen können.
  • Sie akzeptieren, wenn sie gelobt werden, und können Signale sozialer Anerkennung richtig interpretieren. Sie schätzen die eigene Person nicht zu gering oder abwertend ein.
  • Konfliktsituationen können sie erkennen und analysieren. Auf dieser Basis entwickeln sie Bewältigungsstrategien.

Ziel

Ziel ist es, den Schülern/Schülerinnen zu helfen, seine/ihre Fähigkeiten und Neigungen zu entwickeln, selbständig zu denken, zu urteilen und zu handeln sowie sein/ihr Leben in eigener Verantwortung zu führen. Eine Verbesserung des Klassen- und Schulklimas, Förderung der Teamarbeit, Gewaltprävention. Es sollte ebenfalls eine Basis für weitere Ausbildungen z.B. zum Streitschlichter schaffen.

Vermittlung

Die Lerninhalte werden unter Berücksichtigung folgender Punkte vermittelt:

  • Ideen entwickeln und umsetzen,
  • Lebendig in ein Thema einsteigen,
  • Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schülerin/des Schülers herstellen,
  • Spielerisch Handlungsalternativen erkunden,
  • Informationen vermitteln,
  • Ideen und Meinungen erfragen,
  • Inhalte spielerisch vermitteln.

Die Vermittlung erfolgt über Rollenspiele, Arbeitsblätter und Übungen.

Rollenspiele

Setzen keine schauspielerischen Fähigkeiten voraus, sondern sind ein komplexes Spiel zur Erkundung konkreter Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten, die den Schülern in bestimmten Situationen zur Verfügung stehen.

Vorteile:

  • Die spielerische Umsetzung erleichtert das Ausprobieren von Verhaltensweisen.
  • Situationen werden besser erkannt, durchschaut und bewältigt, da die Schüler im Kontext handeln.
  • Die Übernahme von erprobten Verhaltensweisen in den Alltag wird erleichtert.
  • Durch die Einnahme unterschiedlicher Rollen werden alternative Reaktionen ausprobiert und auf ihre Umsetzung bzw. Anwendbarkeit überprüft.
  • Die Konsequenzen eigenen Verhaltens kann in den Spielen durch die ausgelöste Reaktion der Mitspieler erahnt werden.
  • Situationen können aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.
  • Die anderen Schülerinnen/Schüler lernen am Modell.

Arbeitsblätter

Sie eignen sich zum Einstieg in ein Thema, da die Gruppe erst dann produktiv arbeiten kann, wenn die Aktivität und Aufmerksamkeit jedes Einzelnen angeregt wird und alle über eine Gesprächsgrundlage verfügen. Die Auswertung erfolgt immer im Plenum.

Vorteile:

  • Jede Schülerin/jeder Schüler beschäftigt sich mit dem Thema.
  • Diese Art der Stillarbeit ist den Schülerinnen/Schülern vertraut.

Übungen

Sie stellen den praktischen Teil der Einheit dar. Sie erfordern meist die Teilnahme einer gesamten Gruppe. Nach jeder Übung erfolgt eine Auswertungsrunde. Durch die Erfahrungen und Einsichten, die bei der Übung gewonnen wurden, können neue Lernschritte herausgearbeitet werden.

Vorteile:

  • Übungen beziehen alle mit ein und erzeugen Aufnahmebereitschaft bei jeder Schülerin/jedem Schüler,
  • Übungen vermitteln Inhalte auf einer handlungsorientierten Ebene.

Ideenspeicher

Der Ideenspeicher ist ein wiederkehrendes Element, das bereits erfolgreich in der Streitschlichterschulung angewendet wird. Es handelt sich dabei um eine Metaplanwand, die in der Klasse befestigt wird, auf der fortlaufend alle gelernten Kompetenzen schriftlich festgehalten werden. Dazu werden nach jeder Einheit konkrete Verhaltensweisen, die neu erlernt wurden, auf Karten geschrieben und neben das jeweilige Thema der Einheit gesteckt. Die Ergebnisse (Verhaltensweisen) jeder Einheit liegen so zusammengefasst vor und sind für jede Schülerin/jeden Schüler ständig visuell präsent.

Vorteile des Ideenspeichers sind:

  • Dokumentation des Erlernten,
  • Neu gelerntes wird nach jeder Einheit zusammengefasst,
  • Verhaltensalternativen können von den Schülern wie ein Spickzettel abgelesen werden.

Die Rucksackwand

Sie stellt das persönliche Gedächtnis der Schülerin/des Schülers dar. Dort trägt er /sie nach jeder Einheit ein, was sie/er persönlich in dieser Einheit gelernt hat bzw. was am wichtigsten und interessantesten war. Der persönliche Rucksack wächst von Einheit zu Einheit. Jede Schülerin/jeder Schüler bekommt zu Beginn des Trainings ein DIN A4-Blatt mit den Umrissen eines Rucksacks. Darin trägt sie ihren/er seinen Namen ein und das, was für sie/ihn in dieser Einheit wichtig war. Die Rucksäcke werden in der Klasse an einer Wand aufgehängt. So haben die Schüler auch die Möglichkeit bei den Mitschülern zu schauen, was ihnen wichtig war. Der Eintrag in den Rucksack wird zu einem Abschluss-Ritual jeder Einheit.

Wenn das Training komplett abgeschlossen ist, darf jede Schülerin/jeder Schüler den Rucksack mit nach Hause nehmen.

Vorteile der Rucksackwand:

  • Alle Schüler reflektieren das Gelernte im Anschluss an jede Einheit und setzen ihren persönlichen Schwerpunkt,
  • Der Rucksack ermöglicht eine persönliche Zusammenfassung und Auswertung des Gelernten,
  • Es wird ein Transfer der gelernten Methoden auf den Alltag der Schüler/Schülerinnen angeregt.
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